Das Wichtigste in Kürze
- Ja, die Gasprüfung ist seit dem 19. Juni 2025 wieder gesetzlich Pflicht.
- Sie steht jetzt eigenständig in § 60 der StVZO.
- Seit April 2022 ist sie kein Teil der Hauptuntersuchung mehr.
- Geprüft wird als Richtwert alle 24 Monate, unabhängig vom HU-Termin.
- Prüfen darf nur ein Sachkundiger mit G-607-Nachweis.
- Ohne gültige Prüfung drohen Bußgeld, Versicherungsrisiko und Ärger am Campingplatz.
Rund um die Gasprüfung am Wohnwagen herrscht seit Jahren Verwirrung. Mal hieß es, sie sei abgeschafft, mal wieder Pflicht. Seit Mitte 2025 ist die Lage klar. Hier erfährst du, was wirklich gilt, in welchem Abstand geprüft wird und warum du die Prüfung trotz HU-Plakette nicht vergessen solltest.
Ist die Gasprüfung am Wohnwagen noch Pflicht?
Ja. Seit dem 19. Juni 2025 ist die Gasprüfung nach G 607 wieder eindeutig gesetzlich vorgeschrieben. Sie gilt für jeden Wohnwagen mit fest eingebauter Flüssiggasanlage. Verankert ist sie im neuen Paragraf 60 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, kurz StVZO.
Davor gab es eine Phase der rechtlichen Unsicherheit, in der unklar war, ob die Prüfung verpflichtend ist. Diese Zeit ist vorbei. Wer einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil mit Gasanlage besitzt, kommt um die regelmäßige Prüfung nicht herum.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen fest eingebauter und nur mitgeführter Anlage. Pflicht wird die Prüfung, sobald die Anlage fest verlegte Leitungen, fest installierte Geräte und einen festen Flaschenkasten hat. Ein einzelner Campingkocher mit loser Kartusche zählt nicht dazu. Sobald aber Heizung, Kühlschrank oder Herd über fest verlegte Gasleitungen versorgt werden, greift die Prüfpflicht.
Maßgeblich für den technischen Inhalt der Prüfung ist das DVGW-Arbeitsblatt G 607. DVGW steht für den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, das Arbeitsblatt beschreibt das anerkannte Regelwerk für Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen. § 60 StVZO macht die Prüfung zur gesetzlichen Pflicht, G 607 legt fest, wie geprüft wird.
Warum die Gasprüfung nichts mehr mit der HU zu tun hat
Seit dem 1. April 2022 ist die Gasprüfung kein Bestandteil der Hauptuntersuchung mehr. Das heißt: Dein Wohnwagen bekommt die HU-Plakette auch ohne gültige Gasprüfung. Das klingt zunächst praktisch, erweist sich im nächsten Moment aber als trügerisch.
Der Grund für die Trennung ist technischer Natur. Die Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO prüft Fahrwerk, Bremsen, Beleuchtung und den verkehrssicheren Zustand. Die Gasanlage dagegen ist ein eigenes Gewerk mit eigener Sachkunde. Beide Prüfungen verfolgen unterschiedliche Ziele und haben deshalb getrennte Fristen und getrennte Nachweise.
Wichtig: Die Trennung ist nicht vollständig. Die Heizung bleibt unabhängig von der Gasprüfung Teil der HU. Der Prüfer schaut sich Befestigung und Abgasführung an, also den sicheren Betrieb im Fahrzeug. Was er nicht prüft, ist die Gasanlage als Ganzes: Leitungen, Regler, Schläuche, Absperreinrichtungen und Dichtheit. Genau dafür gibt es die Gasprüfung nach DVGW-Arbeitsblatt G 607.
Viele Besitzer denken, mit bestandener HU sei alles erledigt. Tatsächlich bist du jetzt selbst dafür verantwortlich, die Gasanlage prüfen zu lassen, auch wenn der nächste HU-Termin noch weit weg ist. Beide Prüfungen laufen unabhängig voneinander.
Praktisch heißt das: Du brauchst zwei Termine im Blick. Die HU mit Plakette am Kennzeichen und die Gasprüfung mit Eintrag im Prüfnachweis. Das eine ersetzt das andere nicht. Wer beides koppeln will, lässt die Gasprüfung am besten gleich beim selben Werkstatt- oder Sachverständigentermin mit erledigen.
Welche Fristen und Bußgelder gelten?
Die Gasanlage muss als Richtwert alle 24 Monate geprüft werden, gerechnet ab der letzten Prüfung. Dieser Abstand gilt unabhängig davon, wie oft du den Wohnwagen nutzt, und unabhängig vom HU-Termin.
Den monatsgenauen Stichtag findest du auf der Prüfplakette der Gasprüfung und im Prüfnachweis. Maßgeblich ist das Datum der letzten bestandenen Prüfung, nicht der Kaufzeitpunkt des Fahrzeugs. Bei einem gebrauchten Wohnwagen lohnt deshalb ein Blick in die Unterlagen, bevor die Saison beginnt.
Versäumst du die Frist, drohen gestaffelte Bußgelder. Sie betragen 15 Euro bei einer Überschreitung von zwei bis vier Monaten, 25 Euro bei vier bis acht Monaten und 60 Euro bei mehr als acht Monaten. Teuer ist das nicht, der eigentliche Haken liegt woanders. Das folgende Beispiel zeigt, wo genau.
Beispiel: Deine letzte Gasprüfung war im Mai 2024. Dann ist die nächste als Richtwert im Mai 2026 fällig. Buchst du den Termin erst im November 2026, liegst du sechs Monate drüber und zahlst im Fall einer Kontrolle 25 Euro. Wichtiger ist: In dieser Zeit fehlt der gültige Nachweis am Stellplatz.
Was bei der Gasprüfung kontrolliert wird
Bei der Gasprüfung schaut sich ein Sachkundiger die komplette Anlage an, nicht nur einzelne Teile. Der Kern ist die Dichtheitsprüfung. Dabei wird die Anlage mit Prüfdruck beaufschlagt und beobachtet, ob der Druck über eine festgelegte Zeit stabil bleibt. Fällt er ab, ist irgendwo eine undichte Stelle, die gefunden und behoben werden muss.
Kontrolliert werden unter anderem:
- Gasflaschen und ihre sichere Befestigung im Flaschenkasten
- Druckregler, oft mit Alter und Zustand der Membran, da Regler nach einigen Jahren verschleißen
- Leitungen und Schläuche auf Risse, Porosität und festen Sitz der Verbindungen
- Gasgeräte wie Herd, Heizung und Kühlschrank auf sichere Anschlüsse
- Lüftungsöffnungen im Flaschenkasten, damit austretendes Gas nach unten entweichen kann
- Abgasführung der Heizung, damit keine Abgase in den Innenraum gelangen
Jeder dieser Punkte hat einen klaren Zweck. Flüssiggas ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden. Die Lüftung im Flaschenkasten sorgt dafür, dass eine kleine Leckage nach außen entweicht und sich nicht im Fahrzeug staut. Die Abgasführung trennt Verbrennungsabgase vom Wohnraum, das ist der zentrale Schutz vor Kohlenmonoxid.
Warum die Prüfung mehr ist als Bürokratie
Eine undichte Gasanlage ist gefährlich. Austretendes Flüssiggas kann sich entzünden oder zu einer Kohlenmonoxid-Vergiftung führen. Die Prüfung schützt also vor allem dich und deine Mitreisenden, gerade beim Heizen in der Nacht.
Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Du bemerkst es nicht, bevor es wirkt. Genau deshalb ist die Kontrolle von Abgasführung und Lüftung kein Formalismus, sondern der Punkt, an dem es im Ernstfall um Leben geht. Eine porös gewordene Schlauchleitung oder einen gealterter Druckregler sieht man von außen oft nicht.
Dazu kommt der Versicherungsaspekt. Kommt es zu einem Brand oder Schaden und die Gasprüfung war abgelaufen, kann die Versicherung Leistungen kürzen oder verweigern. Der fehlende Nachweis wird dann zum teuren Problem, das weit über das Bußgeld hinausgeht.
Ein praktischer Punkt: Viele Campingplätze verlangen beim Check-in das gelbe Prüfbuch. Ohne gültige Prüfung kann dir der Stellplatz verweigert werden. Die regelmäßige Gasprüfung ist damit weniger Bürokratie als schlicht die Voraussetzung für entspannten Urlaub.
Wer darf die Gasprüfung durchführen?
Die Gasprüfung nach G 607 darf nicht jeder abnehmen. Vorgeschrieben ist eine geschulte Person mit dem Nachweis der Sachkunde für Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen. Diese Sachkunde wird in einer anerkannten Schulung erworben und regelmäßig aufgefrischt.
In der Praxis findest du diese Prüfung bei Kfz-Sachverständigen, Prüfstellen, Fachwerkstätten für Caravans und beim Gasfachhandwerk. Wichtig ist, dass die prüfende Stelle die G-607-Sachkunde hat und einen gültigen Nachweis ausstellt. Nur dieser Nachweis zählt am Campingplatz und im Schadensfall.
Wir bei Rucker SV prüfen als unabhängige Prüfingenieure. Das heißt: Wir bewerten den Zustand der Anlage neutral, ohne im selben Atemzug eine Reparatur verkaufen zu müssen. Findet sich ein Mangel, sagen wir dir klar, was zu tun ist.
So läuft ein Prüftermin ab
Ein Prüftermin ist meist in ca. 20 Minuten erledigt, je nach Größe und Zustand der Anlage. Damit es zügig geht, hilft eine kurze Vorbereitung. Der typische Ablauf sieht so aus:
- Sichtprüfung von Flaschenkasten, Leitungen, Reglern und Geräten
- Dichtheitsprüfung der gesamten Anlage mit Prüfdruck
- Funktionskontrolle der Sicherheitseinrichtungen und der Geräte
- Kontrolle von Lüftung und Abgasführung
- Eintrag des Ergebnisses in den Prüfnachweis und Plakette
Mitbringen solltest du den vorhandenen Prüfnachweis und, falls vorhanden, Unterlagen zu nachträglich eingebauten Geräten. Die Gasflaschen müssen zugänglich sein. Bei einem klaren Mangel wird die Prüfung nicht bestanden. Du bekommst dann eine Auflistung, was zu beheben ist, und kannst nach der Reparatur zur Nachprüfung kommen.
Fazit
Die Gasprüfung am Wohnwagen ist seit Juni 2025 wieder klar Pflicht und alle 24 Monate fällig. Weil sie nicht mehr an der HU hängt, musst du selbst an den Termin denken. Das ist kein Selbstzweck: Eine dichte Gasanlage ist deine Sicherheit beim Kochen, Heizen und Kühlen. Wer den Termin im Blick behält, reist entspannter.
Häufige Fragen
Was kostet die Gasprüfung am Wohnwagen?
Bei Rucker SV arbeiten wir mit festen Preisen. Der Preis unterscheidet sich nur danach, ob du die Gasprüfung zusammen mit der Hauptuntersuchung machen lässt oder als eigenständige Prüfung. Der Aufwand der Anlage oder die Anzahl der Geräte spielen keine Rolle – du weißt von Anfang an, was es kostet.
Brauche ich die Gasprüfung auch fürs Wohnmobil?
Ja. Die Pflicht gilt für jedes Fahrzeug mit fest eingebauter Flüssiggasanlage, egal ob Wohnwagen oder Wohnmobil. Sobald Heizung, Herd oder Kühlschrank über fest verlegte Gasleitungen versorgt werden, ist die Prüfung nach G 607 fällig.
Was passiert, wenn die Gasanlage die Prüfung nicht besteht?
Bei einem Mangel wird die Prüfung nicht erteilt und du bekommst eine Liste der Punkte, die zu beheben sind. Nach der Reparatur kommst du zur Nachprüfung. Bis dahin solltest du die Anlage aus Sicherheitsgründen nicht nutzen.
Quellen: § 60 StVZO, Gesetze im Internet; DVGW-Arbeitsblatt G 607.


